Airlines: Warum Sie schon bald mit gutem Gewissen ins Flugzeug...

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Airlines: Warum Sie schon bald mit gutem Gewissen ins Flugzeug...
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Matthias Auer ist seit 2008 Teil des Wirtschaftsressorts der „Presse“ und schreibt dort vor allem über Energie, Innovation und Klima(politik) sowie über deren Folgen für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit im Land. Er leitet das „Klima-Team“ im Haus und schreibt eine wöchentliche Kolumne in der „Presse am Sonntag“.

Sauber fliegen ist einfacher als gedacht. Google zeigt, dass KI mehr kann als Deep-Fake-Videos und Cyberattacken und präsentiert eine rasche Lösung für eines der größten Umweltrisiken der Luftfahrt.

Flugscham war gestern. Im heurigen Jahr werden erstmals mehr als zehn Milliarden Menschen in einem Flugzeug unterwegs sein, schätzt der Internationale Dachverband der Fluggesellschaften IATA. Weder Kriege noch Drohnenattacken oder gestiegene Kerosinpreise konnten die Reiselust dämpfen. Österreich ist dabei keine Ausnahme: In den Sommermonaten zählte die Luftfahrtbehörde Austro Control erstmals mehr als eine Viertelmillion Flüge am Himmel über Österreich.

Tendenz steigend. Die Lust am Fliegen ist zurück und schon bald könnten selbst klimabewusste Reisende mit gutem Gewissen abheben. Denn Google beweist, dass Künstliche Intelligenz mehr kann als unnötige Videos und Texte zu produzieren. Der amerikanische Technologiekonzern hat eine Software im Köcher, die eines der größten Umweltrisiken der Luftfahrt beseitigen soll.

Denn rund die Hälfte des klimaschädlichen Effekts, der mit Flugreisen einhergeht, hat Wissenschaftlern zufolge gar nichts mit Kohlendioxid oder dem Verbrennen von fossilem Kerosin zu tun. Es sind vielmehr die Kondensstreifen der Flugzeuge, die Google und eine Reihe an Forschern ins Visier genommen haben. Diese weißen Streifen bestehen aus gefrorenem Wasserdampf, der sich an Rußpartikel aus dem Triebwerksabgas anlagert. Sie trüben nicht nur den blauen Himmel und liefern Stoff für Verschwörungstheorien, sondern heizen auch den Planeten auf.

Während sich die allermeisten Kondensstreifen rasch wieder auflösen, bilden sich bei etwa fünf Prozent der Flüge in größeren Höhen daraus beständige Zirruswolken. Der Einfluss von Wolken auf den Klimawandel ist komplex. Während tieferen Wolken tendenziell ein kühlender Effekt zugeschrieben wird, ist es bei diesen höher gelegenen künstlichen Eiswolken anders. Auch sie reflektieren zwar tagsüber etwas Sonnenlicht.

Dieser kühlende Effekt wird allerdings spätestens in der Nacht ins Gegenteil verkehrt, weil die Wolken dann wie ein Deckel über der Erde liegen und die abstrahlende Wärme zurück auf den Planeten schicken. Das ließe sich leicht verhindern, sagen die verantwortlichen Google-Forscher in Zürich: Wenn die Piloten andere Routen fliegen würden. Nicht nur Google interessiert sich dafür, wie die man die klimaschädlichen Kondensstreifen verringern könnte, auch Universitäten, Airlines und vor allem Staaten blicken inzwischen genauer hin.

Ende August startete ein britisches Konsortium, bestehend aus Behörden, Forschern und – erneut dem Technologiekonzern Google – die „Operation Blue Skies“ . In den kommenden beiden Wintern wollen sie beobachten, welche Routen ideal wären, um das Problem in den Griff zu bekommen und wie groß das Einsparpotenzial tatsächlich ist. Dass die Veränderung der Flugroute so große Verbesserungen bringt, liegt daran, dass die Piloten damit atmosphärische „Sweet Spots“ vermeiden können, in denen sich Kondensstreifen besonders leicht bilden.

Denn beständige Wolken entstehen aus Kondensstreifen üblicherweise erst dann, wenn die Temperaturen deutlich unter null Grad liegen und ausreichend nicht gefrorener Wasserdampf in der Luft vorhanden ist. In Summe sind maximal fünf Prozent aller Flüge betroffen, die meisten über der Nordhalbkugel. »Die Lösung funktioniert und ist billig. Aber ganz ohne Anreiz wird sie trotzdem kaum eine Airline umsetzen.

« Google ist bereits einen Schritt weiter. In einem Pilotprojekt mit Cathay Pacific Airways konnte ein Rückgang der Erwärmungswirkung von Kondensstreifen um 40 Prozent nachgewiesen werden. Alles, was die Piloten dafür tun mussten, war auf Zuruf des Google-Programms etwas tiefer zu fliegen, um den besonders heiklen Zonen auszuweichen. Der US-Konzern bietet Airlines und Luftfahrtbehörden eine Software-Lösung aus einem KI-Prognosemodelle, Satellitenbildern und Wetterdaten an, die es ermöglichen soll, diese Zonen zu identifizieren.

Das Programm schlägt auch selbstständig entsprechende Höhenanpassungen vor, mit denen Piloten diese Bereiche umfliegen können, so wie es routinemäßig passiert, wenn Flugzeuge Wetterturbulenzen ausweichen wollen.

„Dieser Hebel steht der Luftfahrtbranche für ihre bestehende Flugzeugflotte und jede Art von derzeit genutztem Treibstoff zur Verfügung“, sagt Kemal Armada, Google-Projektleiter für die Kondensstreifenforschung. „Kondensstreifen sind leichte Beute bei der Dekarbonisierung der Flugverkehrs“, erklärt auch Diane Vitry, Expertin bei der europäischen Dachorganisation für umweltfreundlichen Verkehr T&E. „Wir wissen, dass es funktioniert und billig ist. Warum wehren sich die Unternehmen dagegen?

“Für die Airlines ist das alles nicht neu. Viele sind auch durchaus interessiert, aber von einer Pflicht, diese ökologischen Hochrisikozonen zu umfliegen, halten sie aber denkbar wenig. Denn mit jedem Meter Flughöhe, den sie hergeben, verlieren sie an Effizienz verbrauchen mehr Treibstoff. Die Folge wären höhere Kosten und damit höhere Ticketpreise für die Passagiere.

Da will dann doch kein Unternehmen freiwillig nach vorne gehen. Nach Berechnungen des „Blue Skies“-Konsortiums würde das Umfliegen der heiklen Zonen in Summe etwa zwei Prozent mehr Kerosin erfordern. Verglichen mit dem finanziellen Aufwand, die Klimaziele nur mit klimaneutralen Flugtreibstoff zu erreichen, ist das herzlich wenig. Der Effekt für das Klima wäre derselbe.

Doch während die Flugbranche klare Ziele für die Reduktion von CO₂ hat, gibt es für die Minimierung der klimaschädlichen Wirkung von Kondensstreifen bisher keinerlei Vorgaben. Die EU versucht es eher mit Zuckerbrot als Peitsche. In ihrem Reformvorschlag für den Emissionshandel stellte die Kommission den Airlines Gratiszertifikate in Aussicht, wenn sie beginnen, sich ernsthaft mit der Vermeidung von Kondensstreifen beschäftigen.

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