Die in Wien und Basel ausgebildete Kunsthistorikerin schreibt seit 2000 für die „Presse“. Seit 2023 leitet sie gemeinsam mit Karl Gaulhofer das Feuilleton. Ein Buch hat sie auch geschrieben: „Lust und Tabu“, 2013, im Metroverlag.
Ein kleines Meisterstück ist der Wiener Dom-Museums-Direktorin Johanna Schwanberg mit der neuen Themenschau „tierisch menschlich“ gelungen. Anspruchsvoll für Kopf, Augen – und Magen. Sind Sie schon einmal über einen Uguisubari gegangen, einen japanischen Nachtigallenfußboden?
Die wohl subtilste aller Alarmanlagen wurde auf Wunsch der jungen Wiener Malerin Konstanze Stoiber von einem Waldviertler Tischler im Dom Museum verlegt. Bei jedem Schritt auf die Bretter quietscht es zwar mehr, als man es singen hören würde – aber man lernt: alles nur eine Frage der Übung im zärtlichen Trapsen. Währenddessen heißt es, die wandfüllenden Bildflächen zu studieren, mit denen Stoiber einen dabei architektonisch umschließt.
Denn die Kammer ist klein und verläuft konisch auf das Fenster mit Domblick zu, samt Blick auf die Wappenadler auf dessen Dach. In der Malerei dagegen erahnt man nur Vogelflug.
Erkennt den Flügel des Verkündigungsengels Gabriel, der hier kniet, in seiner Animalität, und lernt: EinStoibers Installation am Ende von dessen prominenter Schausammlung, gleich neben dem berühmten Herzog-Rudolf-Porträt, ist der heimliche, weil ein wenig versteckte Höhepunkt der neuen Themenausstellung: Mit „tierisch menschlich“, absichtlich adjektivisch, also beschreibend gehalten, ist Museumsdirektorin Johanna Schwanberg und Co-Kuratorin Vanessa Joan Müller ein kleines Meisterstück gelungen. Immer wieder schafft Schwanberg hier im relativ Kleinen gedankliche Weiten aufzureißen, nimmt ein großes Thema und lässt es im Licht der Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart wie einen Diamanten funkeln – mal in seinen heiligen Facetten, mal in den hellen, mal in den dunklen und dunkelsten.
Beim diesjährigen Vorhaben, dem Verhältnis von Mensch und Tier, gelingt das auf bestechend vielfältige und auch – darauf legt Schwanberg besonders wert – bestechend präzise Weise. Keines der Bilder, zu 40 Prozent aus der Sammlung des Museums, der Rest aus Stiften, Bundesmuseen und Privatbesitz geliehen, ist hier gelandet, weil zufällig ein Tier darauf zu sehen ist. Denn Tiere in der Kunst sind nie ein Zufall. Sie stehen immer für etwas, darauf wird der Blick und Verstand hier geschärft.
Sie stehen für die Unschuld, die eine rote Stadtpolitik in der Nachkriegszeit mit den vielen Tierplastiken im öffentlichen Wiener Raum säen wollte, von Werner Feiersinger im Auftrag des Museums fotografiert. Sie stehen für Reichtum und Kolonialismus, wenn sich etwa eine niederländische Familie 1766 mit einem winzingen Meerschweinchen, dem damals exotischsten aller Haustiere porträtieren ließ. Sie stehen für die Hierarchie der Geschlechter, wenn sich ein „Paar zu Pferd“ 1844 von Ferdinand Rauch in fast surrealistischer Bedeutungsperspektive abbilden lässt.
Tiere stehen aber auch für Verborgenes, wie erotische Abgründe in Zeichnungen von Kubin, oder vielleicht für sublimierte Potenz, wenn etwa 1789 der damalige Abt des Stifts Klosterneuburg seine weiße Dogge „Aktäon“ im bildfüllenden Repräsentationsformat verewigen ließ. Das Gemälde ist hier übrigens erstmals öffentlich zu sehen. Wie einige andere auch, die Schwanberg etwa aus dem Besitz von Klöstern ergatterte.
In diesem Fall ergatterte sie auch ein metallenes Hundehalsband aus der Sammlung Liechtenstein dazu, das fast gleich aussieht wie das auf dem Bild. Ebenfalls ein weites Feld hier: Gewalt und Liebe. Durchaus auch in der Umkehrung der Wendung „zum Fressen gern“: Wenn die Katze an der Nase der Schweizer Künstlerin Luzia Hürzeler zu lecken beginnt, die ihr Konterfei aus Nassfutter modellieren ließ. Wie auch immer die Kuratorinnen solche Sachen auch gefunden haben ...
Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Deportation von Muslimen in die Hölle eines Krieges, den die Welt...Malaysia schiebt Flüchtlinge nach Burma (Myanmar) ab, darunter auch muslimische Rohingya. Dort droht ihnen Verfolgung und ein grausamer Krieg. In ihrer Heimatregion müssen sie ihre eigenen...
Weiterlesen »
Neue Spritpreisbremse: Wie die Regierung die Tankstellenpreise senkt und die Verbraucher freigibtDie Bundesregierung hat eine zweimonatige Spritpreisbremse zur Entlastung der Autofahrer eingeführt. Die Preisreduktion schlägt über Steuerersparnisse und Margenbegrenzungen. Experten analysieren, wie sich die neue Regelung auf die Inflation und die Tankstellenbranche auswirkt.
Weiterlesen »
KI-Studie zeigt große Zunahme an Vertrauen der Bevölkerung in Technologie und kritisiert lange WartezeitenEine repräsentative Umfrage, die von Gallup im Auftrag der Wiener Städtischen Versicherung durchgeführt wurde, untersucht die Akzeptanz von KI im Gesundheitswesen, die Zufriedenheit mit dem österreichischen Gesundheitssystem und den Bedarf an Fachärztlichkeit. Die Befragten betonen insbesondere die Positivität ihrer eigenen Gesundheit, den Wunsch nach individueller Versorgung und das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede. Die Ergebnisse zeigen einen Spagat zwischen wachsender Akzeptanz von Technologie und ungerechtfertigten Wartezeiten bei Fachärzten - ein Thema, das für die Politik und die medizinische Industrie von zentraler Bedeutung ist.
Weiterlesen »
Spannender Abend in der Nations League: Frankreich trifft Italien - Zwischen Geschichte und neuem EhrgeizDer Artikel liefert einen umfangreichen Überblick über das spannende Koppelspiel Frankreich - Italien in der Nations League. Er beleuchtet die Geschichte der Mannschaften, die aktuelle Teamdynamik, die Bedeutung von Zinedine Zidane als Trainer und diskutiert die politische Situation in Schweden. Zudem werden die Wetterbedingungen, historische Vergleiche und Prognosen für die kommenden Spiele dargestellt, um die Bedeutung der Begegnungen für die europäische Fußballlandschaft zu verdeutlichen.
Weiterlesen »
