Abzug aus Irak: Die Feinde der USA wittern Morgenluft

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Abzug aus Irak: Die Feinde der USA wittern Morgenluft
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Arbeitet seit 1997 für die „Presse“. Er ist stellvertretender Leiter des Ressorts Außenpolitik und beschäftigt sich vor allem mit geopolitischen Entwicklungen und dem arabischen Raum. Er hat aus diversen Krisengebieten berichtet, etwa über den Aufstand in Ägypten und Libyen und über den Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak.

Die USA haben ihre letzten Soldaten aus dem Irak zurückgeholt. Iraks Regierung feiert die neue Unabhängigkeit. Doch die Kurden sind besorgt. Denn der Abzug birgt Gefahren in sich.

Irans Regime jubelt. Immer wieder griffen sie US-Außenposten mit Raketen und Drohnen an. Sie versuchten, die Soldaten der Supermacht zu demütigen und zu zermürben. Jetzt jubeln die proiranischen Milizen im Irak: „Das ist ein historischer Sieg für den Islamischen Widerstand im Irak – und eine vernichtende Niederlage für das amerikanische Projekt“, sagte Abu Mojtaba al-Yasiri, einer der Milizenführer, zur Nachrichtenagentur Reuters.

„Am 30. September feiern wir das Scheitern der Besatzung.

“ Am Mittwoch, dem 30. September, haben die USA nun ihren langjährigen Einsatz im Irak beendet. Das Pentagon meldete: Die letzten US-Soldaten sind abgezogen. Washington hat den Schritt lange vorbereitet.

Doch er birgt Gefahren in sich. Die Feinde der USA werden versuchen, vom US-Rückzug zu profitieren. Nicht nur Irans Regime will nun mit Hilfe seiner verbündeten Milizen den Einfluss im Irak noch mehr ausweiten. Auch die Jihadisten des sogenannten Islamischen Staates (Aus der autonomen Region Kurdistan im Nordirak kommen bereits deutliche Warnungen: „Seit mehr als zwei Wochen haben wir verstärkte Bewegungen von IS-Schläferzellen registriert“, sagt Sirwan Barzani, ein hochrangiger Kommandant der kurdischen Truppen, zu Reuters.

Schon allein die Ankündigung des US-Abzugs habe die Moral der Jihadisten gehoben, meint Barzani. Vor allem im Gebiet der Stadt Kirkuk, in dem IS-Verstecke vermutet werden, wächst die Sorge, die Jihadisten könnten nun mit einem blutigen Anschlag ein Lebenszeichen von sich geben. Die größte Gefahr sehen Iraks Kurden aber woanders – nämlich bei Irans Regime und dessen Verbündeten. Als Teheran im Krieg gegen die USA Vergeltungsschläge in der Region startete, geriet auch der Nordirak ins Visier.

Iranische Raketen trafen Camps iranisch-kurdischer Oppositionsgruppen. Aber auch der Flughafen von Erbil und andere Gebäude in der Hauptstadt der irakischen Kurdenregion wurden mit Drohnen angegriffen. Diese Aktionen gingen meist auf das Konto der mit Teheran verbündeten Milizen. Die US-Truppen am Flughafen setzten ihre Luftabwehrsysteme „Patriot“ und „C-RAM“ ein, um diese Attacken abzuwehren.

Doch diese Systeme wurden nun offenbar gemeinsam mit den US-Soldaten abgezogen.

„Die Gefahr ist real – wir sind verletzlich, wir werden angegriffen“, sagte dazu der Premier der Kurdenregion, Masrour Barzani, zur „Mit dem Rückzug der US-Soldaten aus dem Areal ist zwar ein Vorwand der proiranischen Kräfte für Angriffe auf den Flughafen von Erbil weggefallen. In der Kurdenregion weiß man aber, dass man sich darauf nicht verlassen kann. Denn die Iraner haben in den vergangenen Monaten im Nahen Osten auch an Orten zugeschlagen, an denen keine US-Truppen stationiert sind.

Und die proiranischen Milizen im Irak werden auch schon lange als Waffe eingesetzt, um die Kurden unter Kontrolle zu halten. Iraks Premier Ali al-Zaidi begrüßt hingegen den US-Abzug. Zaidi feiert ihn als Schritt hin zu einem eigenständigeren Irak, der die Verantwortung für die Sicherheit in die eigenen Hände nimmt. Der Kampf gegen Terroristen gehe auch ohne US-Truppen weiter, versprach er am Mittwoch.

Dass zuletzt noch Soldaten der USA und anderer westlicher Länder im Irak stationiert waren, hing mit dem Kampf gegen den IS zusammen. Eigentlich waren die USA ja bereits 2011 abgezogen: Acht Jahre nach dem Feldzug gegen Iraks Diktator Saddam Hussein und dem darauf folgenden aufreibenden Krieg gegen irakische Terrorgruppen und Milizen holte Präsidentdamals die letzten US-Kampftruppen zurück. In Washington hoffte man, dass die politischen Kräfte im Irak die Zeit des Bürgerkriegs überwunden hätten und nun allein für Stabilität sorgen könnten.

Doch 2014 übernahmen die IS-Jihadisten die Kontrolle über weite Teile des Irak. Und die USA starteten erneut einen militärischen Einsatz. Mit dem Krieg gegen den IS kamen nicht nur die Amerikaner zurück. Auch der Einfluss des iranischen Regimes im Irak wuchs weiter an.

Denn mit Hilfe aus Teheran wurde ein mächtiges System irakischer Milizen aufgestellt, die gegen den IS in die Schlacht zogen. Ein Teil dieser Truppen wurde später in die regulären irakischen Sicherheitskräfte eingegliedert. Andere Milizen treiben heute als Handlanger Teherans ihr Unwesen – etwa im Kampf gegen die USA. Iraks Premier Zaidi hat angekündigt, dass alle Milizen bis Juni 2027 entwaffnet werden sollen.

Ob das aber gelingen wird, ist unklar. Denn nach dem US-Abzug werden Teheran und seine Verbündeten nun erst recht versuchen, ihre Macht im Irak zu festigen.

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