Experten wollen einen Kurswechsel in der Verkehrspolitik.
„Das Klimaticket ist ein guter und wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, meint Günter Emberger, Professor am Institut für Verkehrswissenschaften an der TU Wien. „Aber es bringt mir nichts, wenn es weit und breit keinen öffentlichen Verkehr gibt.
“ Deshalb fordern Emberger und Barbara Laa, auch sie forscht an der TU Wien, in einer Pressekonferenz von „Diskurs – das Wissenschaftsnetz“ eine neue, klimaverträgliche Verkehrspolitik. In den Augen beider sind Tempolimits „low hanging fruits“: „Es sind Maßnahmen, die einfach zu realisieren sind.“ Die politische Durchsetzbarkeit sei eine Aufgabe, an der gearbeitet werden müsse. „Das ist eine Frage der Kommunikation.“ Konkret gebe es klare Argumente für Limits von 30 km/h innerorts, 80 Stundenkilometer auf Freilandstraßen und ein Limit von 100 auf Autobahnen. Emberger: „Es gibt keine Begründung für 130, man hätte das Limit auch bei 127 oder 113 festsetzen können.“ Wissenschaftlich klar ist allerdings, dass 30/80/100 bewirke, dass etwa 120 Menschen weniger ihr Leben bei Autounfällen verlören.Laa streicht heraus, dass die Reduktion der Geschwindigkeit nicht nur positiv für die Klimabilanz Österreichs sei. Wenn langsamer gefahren werde, dann bedeute dies auch wenige Schadstoffe in der Luft, geringeren Abrieb der Reifen, weniger Lärm. „Und schließlich darf man die soziale Komponente nicht vergessen – unsere Städte hätten ein ganz anderes Gesicht, wenn sie auf sanfte Mobilität ausgelegt wären: breitere Gehwege, mehr und ebenfalls breitere Radwege.“ Im ländlichen Raum wäre auch eine wichtige Maßnahme, die Ortskerne „von den Kreisverkehren am Ortsrand wieder ins Zentrum zu bekommen“.Ein Steuerinstrument dafür könne auch eine flächendeckende Maut sein, meint Emberger. So sei vorstellbar, dass die Bepreisung auch die Länge einer Fahrt berücksichtigt oder die Auslastung. Und außerdem wäre es nur folgerichtig, wenn jede Möglichkeit, ein Auto im öffentlichen Raum abzustellen, nur bei Bezahlung einer Gebühr möglich wäre.Die Erderhitzung und die grüne Wende verändern Natur, Gesellschaft und Märkte auf der Welt grundlegend. Das Klima-Team der „Presse“ liefert Hintergründe, jüngste Forschungsergebnisse und Debatten rund um eines der drängendsten Probleme unserer Zeit.. Sie wollen keinen wichtigen Beitrag verpassen? Abonnieren Sie Klimawandel als Push-Nachricht in den Einstellungen der „Presse“-App.
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